Familie Semy Wolf

Wolf, Semy                      * 19.09.1885      überlebt in Kolumbien

Wolf, Else, geb. Simon       * 16.02.1898   Y 22.04.1942 Izbica

Wolf, Doris, verh. Wilkins   * 08.06.1921      überlebt in Großbritannien

Wolf, Walter                     * 07.03.1925  Y 22.04.1942 Izbica

Stolpersteine Hügelstraße 12

Verlege-Aktion 19. April 2008

Semy Wolf

* 19.09.1885 überlebt in Kolumbien

Semy Wolf wurde am 19. September 1885 in Langen in der Hügelstraße 12 als Sohn des Seifensieders Markus Wolf und seiner Ehefrau Sophie (geb. Schweitzer) geboren.

Semy arbeitete ebenso wie sein Bruder Friedrich im elterlichen Betrieb als Seifensieder. Die Familie Wolf ist seit 1847 in Langen nachweisbar.

Else Wolf, geb. Simon

* 16.02.1898 Y 22.04.1942 Izbica

Else Simon wurde am 16. Februar 1898 in Krefeld geboren.

Sie war ausgebildete Pianistin und hatte bei einer Schülerin von Clara Schumann in Düsseldorf gelernt.

Um 1919 heirateten Semy und Else.
Sie hatten zwei Kinder, Doris Elisabeth und Walter.

Doris Wolf

* 08.06.1921 überlebt in Großbritannien

Doris und Walter besuchten – wie die Kinder anderer jüdischer Familien auch – die Langener Volksschule. Ihre Teilnahme an allen schulischen Veranstaltungen war bis zur Machtübernahme der Nazis völlig selbstverständlich und normal.

Doris verließ 1934/35 die Schule ohne Abschluss. Für ihren Berufswunsch Modedesign sollte sie in einem Atelier erst zuschneiden und nähen lernen. Sie fand eine Lehrstelle in Frankfurt, wo sie ein Jahr lang lernte. Danach wurde das Atelier von einem „Arier“ übernommen und sie wurde von einer Minute zur anderen hinausgewiesen. Völlig verstört kehrte sie nach Langen zurück.

Sie fand eine Stellung als Köchin und Hausgehilfin bei einer netten Familie in Frankfurt. Doris träumte jetzt davon Ärztin zu werden. Nach der Heirat ihrer Krefelder Tante mit einem Allgemeinmediziner zog sie zu den beiden nach Grevenbroich um den Beiden bei kleineren Tätigkeiten im Haushalt und in der Praxis zu helfen.

Doris Wolf emigrierte am 20.08.1939 nach Großbritannien. Sie wurde von einer Pfarrersfamilie aufgenommen und ließ sich taufen. Zu ihrer Familie in Deutschland und Kolumbien verlor sie den Kontakt. Sie lernte Englisch bei der Familie, die sie in letzter Minute aufgenommen hatte. Nach mehreren Prüfungen wurde sie 1942 im General Hospital in Grantham als angestellte Krankenschwester angenommen. Dort lernte sie drei Jahre und bestand schließlich ihr Examen als staatlich anerkannte Krankenschwester.

Nachdem Doris von der Deportierung ihrer Mutter und ihres Bruders gehört hatte, hoffte sie, zu ihrem Vater nach Kolumbien fahren zu können. Seit einem Jahr arbeitete sie als Stationsschwester. Man riet ihr jedoch, vor einer Auswanderung noch eine weitere Qualifikation zu machen. Nach Rücksprache mit ihrem Vater zog sie 1946 nach Bristol (Großbritannien), um den Beruf der Hebamme zu erlernen. Nachdem sie diese Ausbildung abgeschlossen hatte, überredete man sie dazu, ein Diplom zum Unterrichten zu machen. Ihr Vater war damit natürlich einverstanden und sie schob die Reise nach Kolumbien erneut auf. Schließlich lernte sie einen Mann mit zwei mutterlosen Kindern kennen. Unter der Bedingung, dass ihr Vater zu ihnen kommen sollte und sie den Kurs zu ihrem Diplom weiter machen konnte, heirateten sie. Sie hieß jetzt Elisabeth Wilkins. Nun bemühte sich Doris um die Papiere für ihren Vater. Sie hatte fast alles zusammen, als ihr Vater starb.

1983 kam Doris/Elisabeth auf Einladung der Stadt zu einem Besuch nach Langen.

Im Alter lebte sie in einem Seniorenheim in Bristol, GB.

Anlässlich der Verlegung der Stolpersteine für sie und ihre Familie am 19.04.2008 besuchte sie Langen erneut. Sie sprach deutsch, traf sich mit alten Bekannten und erzählte „von damals“.

Im September 2015 verstarb sie im Alter von 94 Jahren.

Walter Wolf

* 07.03.1925 Y 22.04.1942 Izbica

1936 starb der Großvater in Krefeld-Linn und die Arztfamilie wanderte nach Brasilien aus.

Jetzt zog Else am 14.10.1936 mit ihrem Mann Semy zurück nach Krefeld-Linn in ihr Elternhaus, Rheinbabenstr. 106.

Walter ging in eine jüdische Schule in Krefeld. Doris lernte weiter kochen und nahm Spanischunterricht.

Semy bekam 1938 ein Visum für eine Arbeit in einer Seifenfabrik in Kolumbien.

Während Semy am 15. Februar 1938 mit dem Dampfer Ordina nach Buenaventura, Kolumbien emigrierte, musste Else mit ihrem Sohn Walter in Linn bei ihrer Familie bleiben.

Else und Walter zogen innerhalb von Krefeld mehrfach um, so in die Rheinbabenstraße 6, Hohenzollernstraße, Moerser Straße und schließlich 1940 in die Neußer Straße 38.

Von dort aus wurden Mutter Else und Sohn Walter gemeinsam mit Elses Schwester Olga Alexander, geborene Simon, am 22.04.1942 nach Izbica deportiert. Dies war einer der Transporte in die Vernichtungslager. Offiziell ist ihr Schicksal unbekannt.

 

Weitere Informationen finden Sie im Buch “Vergessene Nachbarn – Juden in Langen ca.1704 bis 1938”, Verlag BoD Books on Demand, Norderstedt, 2019, ISBN: 978-3-7494-9722-5

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