Familie Israel Eppstein

Eppstein, Israel                     * 29.03.1855   Y 21.07.1929 Langen

Eppstein, Rosa, geb. Kahn   * 08.06.1870   Y ca. 10.1941 Lodz

Eppstein, Bernhard               * 17.12.1895   Y 11.08.1942 Banjica

Eppstein, Johanna                * 20.11.1904   Y ca. 12.1941 Riga

Stolpersteine Wallstraße 28

Verlege-Aktion 22. Januar 2009

Israel Eppstein

* 29.03.1855 Y 21.07.1929 Langen

Israel Eppstein wurde am 29. März 1855 in Lodz/Polen geboren. In erster Ehe war er mit Sarah Epstein verheiratet. Sie hatten einen Sohn, Salomon, geboren am 27. September 1894. Die Frau scheint bei der Geburt des Kindes gestorben zu sein, denn ein Jahr später heiratete Israel erneut.

In zweiter Ehe war er verheiratet mit Sophie Simon. Mit ihr hatte er sechs Kinder. Von diesen Kindern erreichten nur Bernhard, Norbert und Johannette das Erwachsenenalter. Sohn Norbert starb aber im Alter von 23 Jahren im Jahr 1923. Seine zweite Frau Sophie starb am 17. April 1909.

Rosa Eppstein, geb. Kahn

* 08.06.1870 Y ca. 10.1941 Lodz

Rosa Kahn wurde am 08.06.1870 in Lahr bei Limburg geboren.

In dritter Ehe verheiratet sich am 10.12.1909 Israel Eppstein mit Rosa Kahn.

Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor.

Israel Eppstein lebte seit dem 25.11.1890 in Langen. Er erwarb 1899 das Haus Wallstraße 28 und betrieb dort eine „Ellenwarenhandlung“. Im Langener Wochenblatt vom 30.10.1899 meldete er: „Wohnungs-Veränderung, Manufacturwaren Israel Eppstein, mein neu erbautes Haus Wallstr.“

Von Ende 1905 an verkaufte er hier auch Flaschenbier von „Binding“, wie er in einer Anzeige Kund tat. 

Am 19.10.1907 eröffnete Israel Eppstein zusätzlich (?) eine Schreibwarenhandlung, denn sein Geschäft in der Wallstraße 28 lag gegenüber der neu erbauten Schule.

Der Geschäftsmann Israel Eppstein war – wie die anderen jüdischen Geschäftsleute – sozial engagiert. Er gehörte zu den jüdischen Spendern für die Kriegsfürsorge-Sammlung der israelischen Religions-Gemeinschaft 1914 und 1916.

Allerdings scheint Israel Eppstein bis dahin nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besessen zu haben. 1920 bat er um Aufnahme in den hessischen Staatsverband. In einer öffentlichen Sitzung am 15.09.1920 wurde beschlossen: „Gegen das Gesuch des Herrn Israel Eppstein um Aufnahme in den hessischen Staatsverband hat der Gemeinderat nichts einzuwenden.“

Israel Eppstein starb am 21.07.1929 in Langen. Das Langener Wochenblatt berichtet am 23.07.1929:

Am Sonntagabend verschied nach kurzem Kranksein Herr Israel Eppstein im Alter von 74 Jahren. Herr Eppstein war durch seinen Hausierhandel hier und in der Umgegend allgemein bekannt. Sein gleichbleibendes freundliches und unverdrossenes Wesen führte ihm so manchen Kunden zu.

Johannette Eppstein wurde am 20. November 1904 als jüngstes Kind aus zweiter Ehe geboren.

Vom 10.12.1928 bis zum 17.06.1930 studierte Johannette in Frankfurt. Anschließend zog sie wieder zu ihrer Stiefmutter in die Wallstraße. Am 20.3.1933 ging sie für sechs Monate nach Alsbach an der Bergstraße. Nach weiteren zwei Jahren im Elternhaus zog sie am 16.06.1935 nach Darmstadt, Eschollbrücker Straße 4 ½.

Von Stuttgart aus wurde sie im Dezember 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert. Das weitere Schicksal ist offiziell unbekannt; man kann davon ausgehen, dass sie ums Leben kam.

Rosa Eppstein, die dritte Ehefrau Israels, führte nach seinem Tod die Schreibwarenhandlung weiter. Auch dieses Geschäft musste nach der Machtergreifung der Nazis seinen Betrieb einstellen.

Am 12. Dezember 1938 meldete sich Rosa von Langen nach Frankfurt a.M. in die Handwerkerstraße 63 IV ab. Später wohnte sie im Jüdischen Altersheim im Reuterweg 91. Von dort wurde Rosa Eppstein am 19. Oktober 1941 im Alter von 71 Jahren bei der ersten großen Deportation aus Frankfurt in das Ghetto Lodz verschleppt, wo sie ums Leben kam.

Bernhard Eppstein wurde am 17.12.1895 in Langen geboren. Er war der älteste Sohn aus der zweiten Ehe Israel Eppsteins mit seiner Frau Sophie, geborene Simon.

Er war gelernter Koch und dadurch in ständig wechselnden Arbeitsverhältnissen beschäftigt:

31.03.1910 – 18.10.1912 Wiesbaden

28.10.1912 – 11.02.1913 Stettin

24.02.1913 – 03.04.1913 Bad Soden

03.04.1913 – 06.05.1913 Mannheim

16.05.1913 – 07.07.1913 Interlaken, Schweiz.

07.07.1913 – 31.10.1913 Münster am Stein

Am 31.10.1913 ging er erneut auf Wanderschaft.

Am Ersten Weltkrieg nahm er als U-Boot-Matrose teil und wurde im Oktober 1917 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Sein weiterer Lebensweg ist unbekannt.

1942 wohnte er in München. Von dort wurde er ins Konzentrationslager Banjica verschleppt, wo er am 11. August 1942 im Alter von 47 Jahren starb.

Weitere Informationen finden Sie im Buch “Vergessene Nachbarn – Juden in Langen ca.1704 bis 1938”, Verlag BoD Books on Demand, Norderstedt, 2019, ISBN: 978-3-7494-9722-5

81 (S.154), 80