Chronik

Susanne Schmidt

(geb. Knipp)

Hügelstraße 6

 

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Susanne Schmidt, geborene Knipp, wurde am 18. 12. 1880 in Dreieichenhain als Tochter des Wilhelm Knipp III. und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Betz geboren.
Sie war eine gute Schülerin und lernte nach der Schule Nähen.

Am 23. 10. 1904 heiratete sie in Langen den Wagnermeister Philipp Schmidt III.

und zog zu ihm in die Hügelstraße 6.
Sie bekamen drei Töchter.

  • Elisabeth, geboren am 15. September 1905,  gestorben am 2. 8. 1976
  • Susanne Elisabeth, geboren am 15. April 1909, gestorben am 28. 6. 1992
  • Marie Mathilde, geboren am 27. August 1913, gestorben am 24. 2. 2007
  Susanne Schmidt

1918 erkrankte Susanne Schmidt an einem Nervenleiden. Wahrscheinlich handelte es sich um Depressionen. Ihre gerade 13 Jahre alte Tochter Elisabeth musste ab da fast selbstständig den Haushalt führen und sich um ihre jüngeren Schwestern kümmern. Die erst 5-jährige Tochter Mathilde kam für einige Zeit tagsüber zu einer Tante.

Nachdem 1929 ihr Ehemann gestorben war, verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Sie wurde immer teilnahmsloser. Die Töchter mussten jetzt die Pflege der Mutter vollständig übernehmen.

Die älteste Tochter, Elisabeth, heiratete 1931 einen Wagner, der die Wagnerei übernahm.

Sie selbst kümmerte sich neben ihren Kindern weiter um die schwerkranke Mutter. Susanne saß meist in einem Zimmer hinter der Küche. Sie hatte Angst vor Fremden; kamen Besucher, verbarg sie ihr Gesicht mit den Händen. Vor dem Fenster waren Gitterstäbe angebracht. 

Mehrmals kam Susanne in die Heilanstalt Goddelau.

In der Familie wurde nicht viel über die Mutter, Schwiegermutter und Großmutter gesprochen. Der Enkel wusste lange Zeit nicht einmal, dass er noch eine Großmutter hatte. Wenn wirklich über Susanne geredet werden musste, tat man dies nur, wenn keine Kinder dabei waren. Sobald eines der Kinder den Raum betrat, schwieg man.

Die Töchter nahmen ihrer Mutter übel, dass sie ihnen die Jugend und die Zukunft genommen hatte. Da sie sich immer um die kranke Mutter kümmern mussten, konnten sie oft nicht mit ihren Freundinnen ausgehen. Zwei Töchter blieben ledig, da die Männer, die sie gerne geheiratet hätten, Bedenken hatten, dass die Krankheit erblich sein könnte.

Susanne Schmidt wurde am 18. April 1941 von Goddelau in die Heilanstalt Weilmünster verlegt. Ihre Töchter hatten nur noch einmal die Gelegenheit sie zu besuchen, jedoch erkannte ihre Mutter sie nicht mehr. Susanne freute sich nur über die mitgebrachten Pflaumen aus dem Garten.

Knapp vier Wochen später starb sie am 14. Mai 1941 in Weilmünster an Unterernährung.

Von Oktober 1939 bis August 1941 ermordeten die Nazis im Rahmen ihres „Euthanasie-Programms“ allein in Hessen über 10 000 psychisch kranke Menschen. In der Regel wurden sie in die Heilanstalt Hadamar verlegt und dort sofort in einer als Duschraum getarnten Gaskammer vergast. Aber auch in anderen Anstalten (und in Hadamar, nachdem aufgrund öffentlicher Proteste die Vergasung eingestellt werden musste) wurden durch die Verabreichung tödlicher Medikamente oder gezielte Unterernährung viele Menschen getötet.

Ein Grab fanden die Töchter später nicht.