Chronik

Ludwig Dornburg

 Fahrgasse 10


Wilhelm Dornburg II., ein Zimmermann, und seine Ehefrau Katharina geb. Sallwey wohnten in der Fahrgasse 10 und hatten zwei Kinder. Ludwig, geboren am 10. April 1912 in Frankfurt, und Franz, geboren am 10.10.1913 in Langen. Wilhelm und Franz engagierten sich in der KPD in Langen.

Ludwig war körperbehindert, arbeitete aber trotzdem als Händler (er unterstützte seinen Vater beim Ausfahren von Waren). Gelegentlich soll er epileptische Anfälle bekommen haben.
1929, als Ludwig 17 Jahre alt war, starb seine Mutter. Der Vater heiratete einige Zeit später Katharina Heid.

Menschen mit Behinderungen wurden damals oft als Schande angesehen. Man sprach nicht darüber und man zeigte sie nicht in der Öffentlichkeit. Dass uns der „Fall Ludwig Dornburg“ bekannt ist, liegt wahrscheinlich daran, dass man sich  in linken Kreisen sich über diese Tabus hinwegsetzte.

Am 9.4.1935 erschien ein Artikel im Langener Wochenblatt, mit dem zur Unterstützung der  „Inneren Mission“ aufgerufen wurde. Dabei stellte der Verfasser einige sehr offen formulierte Fragen:

„Wozu noch Unterhalt und Pflege jener Gruppe von Menschen, die körperlich oder geistig behindert, jedenfalls als rassisch Minderwertige für die Volksgesundheit als gefahrbringend betrachtet werden müssen? Vor uns steigt das Heer der Krüppel, der Epileptischen, der Schwachsinnigen, der Taubstummen und Blinden auf, die noch immer die Anstalten der Inneren Mission füllen und deren Pflege jahraus jahrein Millionen verschlingt. Was soll aus ihnen werden?“

Ihre Antwort auf diese Frage gaben die Faschisten durch die Aktion „Vernichtung lebensunwerten Lebens“, die in ausgewählten Pflegeanstalten durchgeführt wurde.

Ludwig Dornburg wurde am 8. März 1938 in der Landesheilanstalt Goddelau aufgenommen. Am 26. Februar 1941 wurde er in die Landesheilanstalt Weilmünster (Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Hadamar) verlegt. Von dort gelangte er in einem Transport mit 67 weiteren Patienten am 21. März 1941 nach Hadamar. In der Regel wurden die Patienten eines solchen Transports noch am Tag der Ankunft in die im Keller der Anstalt befindliche Gaskammer geschickt und ermordet. Der 21. März 1941 ist daher als der Todestag von Ludwig Dornburg zu betrachten. Zur Tarnung der Morde versandte die sogenannte „Trostbriefabteilung“ Sterbeurkunden mit falschen Todesursachen, die von einem Sonderstandesamt „Hadamar-Mönchberg“ ausgestellt wurden. Um die sofortige Tötung  zu verschleiern, wurde von dort das falsche Todesdatum 28.03.1941 an die Angehörigen gemeldet.

 

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  Die Fahrgasse 10 in den 30ger Jahren

 

Todesanzeige 1941

 

 

Grabstein von Ludwig Dornburg auf dem Langener Friedhof