Gedenkveranstaltung zur dritten Verlegeaktion

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Die Informationsveranstaltung zur dritten Verlegeaktion fand am 15. April 08 in der Evang. Johannesgemeinde statt. Es wurde ein sehr bewegender Abend, denn anschaulicher hätte die Tragik des Geschehens kaum sein können:

Wir hatten die Trommelgruppe Hand-to-hand der Erich-Kästner-Schule für Körperbehinderte eingeladen, die für einen wirbelnden, mitreißenden Auftakt sorgte. Diese fröhlichen jungen Menschen, die  auf ihren Instrumenten ihre ganzen kreativen Ausdrucksmöglichkeiten zeigten und alle Register wirklicher Lebendigkeit zogen machten den Zuhörer zugleich die ganze Tragik jener humanen Katastrophe klar. Hier trommelten Kinder ausgelassen und ansteckend, die man damals.als „lebensunwertes Leben“ aus unserer Gesellschaft auslöschte.

Sehr eindrucksvoll war der Bericht von Marion Imperatori über das Leben jüdischer Kinder in unserer Stadt vor und während der NS-Zeit. Sie hießen Doris, Walter, Lore, Edith, Meta Jenny und Edith Beate und tummelten sich wie alle anderen Langener Kinder rund um die Weiherwiese, spielten zwischen dem stumpfen und dem spitzen Turm Verstecken und maßen sich im geschickten Hüpfen über den Sterzbach. Nur Doris, Edith und Lore konnten recht-zeitig ins Ausland entkommen.

Als anschließend Gaby Klein über das Schicksal ihrer Urgroßmutter Susanna Schmidt berichtete, wurde es sehr still unter den Zuhörern: Susanna war wahrscheinlich wegen einer Wochenbettdepression nach Goddelau gebracht worden. Sie starb nach kurzer Zeit in der „Heilanstalt“. Als Todesursache wurde der Familie Herzversagen genannt. Durch nachdrückliche Recherche fand ihre Urenkelin nun heraus, dass Susanna Schmidt im Grunde verhungert ist.

Leicht war Gabis Spurensuche nicht. Denn in der Familie konnte man schwer mit dem Schicksal umgehen und nach außen erntete man damals nur Unverständnis. Also wurde Susanna totgeschwiegen. Heute erinnert ein Stein vor der Schreinerei Pfaff an dieses Schicksal und nennt das begangene Unrecht beim Namen.

Stolpersteine zu verlegen, ist die eine Sache -- über das Schicksal der Betroffenen zu informieren macht aus einem Stein eine lebendige Auseinandersetzung mit der Ver-gangenheit, der wir ins Gesicht sehen wollen. "Man hat keine Zukunft, wenn man nicht weiß, was in der Vergangenheit geschehen ist" (Thomas Roth, ARD-Korrespondent). Deshalb sind der Initiative Stolpersteine die Informationsabende, die der Verlegung der Steine vorausgehen, so wichtig. Damit wir später in unserem Alltag in Langen wirklich mit dem Kopf und dem Herzen darüber stolpern.

 

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