Chronik

Ilse Sichel

Ludwigstraße 14 (heute: August-Bebel-Straße 14)

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Von  Ilse Sichel wissen wir nicht sehr viel.

Geboren wurde Ilse Bela Sichel am 13.05.1920 in Nidda im Wetteraukreis. Sie war das 2. Kind ihrer Eltern Nathan Sichel (* 13.06.1885 in Langen-Bergheim) und Bertha Sichel, geb. Leopold (* 12.08.1887 in Bleichenbach). Sie hatte eine etwas ältere Schwester namens Frieda Lotte (* 17.06.1918 in Nidda).

1935, im Alter von 15 Jahren,  kam Ilse nach Langen. Sie war „Lehrmädchen“; ihre  kaufmännische Lehre machte sie bei „Herz Strauß OHG“ in der Ludwigstraße 14 (heute August-Bebel-Straße), die von Selma Blum geführt wurde. Deren Bruder und Partner, Julius Strauß aus der Bahnstraße 4, war zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Boykottmaßnahmen der Nazis schon aus dem Geschäft ausgestiegen und nach Frankfurt verzogen.

Warum Ilse noch zu diesem Zeitpunkt, wo sich der Niedergang des Geschäfts bereits abzeichnete, ihre Lehre begann, wissen wir nicht. War ihre Familie mit Selma Blum bekannt und diese wollte Ilse nur  helfen? Darauf deutet hin, dass Ilse bei ihrer „Lehrherrin“ Selma Blum in der Ludwigstraße wohnte und hier auch polizeilich gemeldet war.

1938 wurde das Geschäft aufgrund der politischen Entwicklung geschlossen und Selma Blum zog nach Frankfurt (am 12. Oktober 1938) in die Hermannstraße 25, Nordend. Schon zwei Wochen vorher, am 27.09.1938, hatte  sich Ilse Sichel in Langen abgemeldet und war nach Frankfurt  in die Lersnerstraße 27, Nordend, gezogen. Bei wem sie hier wohnte und ob sie hier ihre Lehre fortsetzte ist unbekannt. Ihre letzte Frankfurter Adresse ist die Obermainanlage 24.
Am 11./12.November 1941 wurde Ilse Sichel von Frankfurt nach Minsk deportiert. Auch Selma Blum war in diesem Transport, ebenso Ilses Eltern und ihre Schwester. Wir können davon ausgehen, dass alle in Minsk ihr Leben verloren. Die genauen Todesdaten sind nicht bekannt.

Warum bekommt Ilse einen Stein?

Sie war sicherlich keine typische Langenerin, hier geboren oder familiär verwurzelt. Aber sie war hier polizeilich gemeldet, bevor sie, wie alle anderen jüdischen Bewohner Langens, unsere Stadt verlassen musste, um den Repressalien der Nazis zu entgehen.

Eine Patin setzte sich entschieden für einen Stein für Ilse ein. Auch ein Lehrmädchen, das nur vorübergehend in Langen wohnte, habe ein Anrecht, nicht vergessen zu werden.
Recht hat sie!