Chronik

Familie Julius Rossmann

Bahnstraße 11

Julius Rossmann
Thekla Rossmann (geb. Strauß)

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Julius Roßmann war Holzkaufmann und am 18. Dezember 1880 in Berstadt (61200 Wölfersheim) geboren worden. Er wohnte in Frankfurt in der Kronprinzenstr. 12.

Am 10. Februar 1909 verlobte er sich mit Thekla Strauß, die er am 28. Mai 1909 auch heiratete. Nach der Hochzeit zog er in Langen in die Bahnstraße 11.

 

Julius Roßmann gehörte dem Vorstand der jüdischen Gemeinde von 1927 bis 1935 an. Im Langener Wochenblatt vom 22.2.1927 ist zu lesen:

„Vorstandswahl der israel. Gemeinde. Auf die Dauer von 3 Jahren wurden die Herren Schloß und Markus wieder und Herr Roßmann neu als Vorstandsmitglieder bestimmt. Ersterer führt die Geschäfte der Gemeinde. Eine Wahl findet nicht statt, indem keine weiteren Kandidaten vorgeschlagen wurden.“

Thekla Strauß wurde am 15. Dezember 1887 in Langen geboren. Sie war das vierte von fünf Kindern des Holz- und Kohlenhändlers Marx Strauß, auch Max genannt, und dessen Ehefrau Sophie, geborene Bamberger, aus Langen.

Thekla besuchte die Höhere Bürgerschule in Langen und war eine begabte Stenographin.
Bei einem Steno-Preisschreiben im Dezember 1901 in der Höheren Bürgerschule (das heutige Gymnasium)  belegte Thekla Strauß, Obertertia, den 3. Platz. (LW 21.12.1901)

Julius und Thekla melden sich am 29.6.1909 nach Frankfurt ab. Trotzdem verfolgten sie die Geschehnisse in Langen. Obwohl sie zu dieser Zeit in Frankfurt wohnten beteiligte sich Thekla Roßmann 1914 an der Kriegsfürsorge-Sammlung der israel. Religionsgemeinschaft in Langen (LW 28.8.1914)

 

 

Am 17.3.1917 starb Theklas Vater Marx Strauß und seine Witwe Sofie geb. Bamberger führte das Geschäft weiter; Prokura erhielt nun deren Schwiegersohn Julius Roßmann, Frankfurt (Handelsregister A I/37)
Am 7.12.1918 kehrt Thekla von Frankfurt nach Langen, Bahnstr. 11 zurück. Julius meldete sich am 6.1.1919 in Langen an.

Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1923 erbten die Töchter Thekla Roßmann und Julie verheiratete Schwarzschild in Gelnhausen, das Geschäft und führten es weiter. (LW 7.8.1923)

 

Bahnstraße 11 - heute Volksbank

Julius und Thekla Roßmann hatten bereits 1935 nach dem Erlass der „Nürnberger Gesetze“ ihr Handelsgeschäft für Holz und Kohle an einen auswärtigen Nicht-Juden verpachten müssen. Nach der „Reichskristallnacht“ 1938 wurde dieser Pächter ohne Gegenleistung zum Eigentümer der Kohlen- und Holzhandlung. Das dazugehörige weitläufige Gartengrundstück mussten sie ihm zu einem Schleuderpreis überlassen. Sie kamen aber nicht in den Genuss dieses geringen Verkaufserlöses. Vermutlich im Zusammenhang mit Auswanderungsplänen wurde ihnen die Summe entzogen und auf ein Devisenkonto eingezahlt und ihnen so die Verfügungsgewalt entzogen.  

Am 8.10.1935 meldeten sich Julius und Thekla Roßmann wieder nach Frankfurt/M. in die Wöhlerstr. 18 III um. (Westend, Nähe der Synagoge) Sie mussten zwangsweise die „Judenvermögensabgabe“ in Höhe von 5.774 Reichsmark entrichten. Ihre letzte Frankfurter Adresse war eine Vier-Zimmer-Wohnung in der Joseph-Haydn-Str. 37 (heute: Mendelssohnstr./Westend)  

Von dort wurde Thekla Rossmann am 20. Oktober 1941 zusammen mit ihrem 60-jährigen Ehemann bei der ersten großen Deportation aus Frankfurt in das Ghetto Lodz verschleppt, wo die Eheleute ums Leben kamen. Die Todesdaten sind nicht bekannt.

Sie wurden durch das Amtsgericht Frankfurt am 16.12.1947 für tot erklärt.

 

Besitzverhältnisse Haus Bahnstraße 11:

  • 1875 Max Strauß
  • 1923 Julius Rossmann Frau geb. Strauß; bei Dr. Max Schwarzschild in Gelnhausen
  • 1935 Emil Sackmann (Holz- und Kohlehandlung) - Bahnstraße 11
  • 1939 Friedrich Sackmann (Nutzkohlehandlung) in Kirchheim Teck - Bahnstraße 11 - 13
  • 1951 Rudolf Schwarzschild in Kuchstadt u. 2 Gen.