Chronik

Familie Isaak Morgenstern

Vierhäusergasse 1

Isaak Morgenstern
Cilli / Cecilya Morgenstern (geb. Friedmann)
Hilda Bertha Rothschild (geb. Morgenstern)
Erna Sophie Morgenstern
Tatjana / Toni Friedmann

 

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Isaak Morgenstern wurde am 3.April 1875 als Sohn des Aron und der Johanna Morgenstern, geborene Strauss, in Sprendlingen geboren. Die Familie lebte seit 1. April 1914 in Dieburg.

Isaak Morgenstern betrieb bereits vor dem Ersten Weltkrieg ein En gros- und En detail-Schuhgeschäft in der Steinstraße in Dieburg. Vor 1907 (genaues Datum unbekannt) heiratete er die am 25.12.1881 in Wilna geborene Cilli Friedmann. Ihre Eltern waren gut situiert und besaßen ein Juwelier- und Silberwarengeschäft.

Isaak und Cilli hatten 2 Kinder: Die Tochter Hilda Berta wurde am 27.2.1907 in Neu-Isenburg geboren. Am 5. März 1908 kam die zweite Tochter, Erna Sophie, ebenfalls in Neu-Isenburg zur Welt.

Isaak Morgenstern beschäftigte in seinem Dieburger Geschäft zwei bis drei Verkäuferinnen. Nach dem Boykott jüdischer Geschäfte war er 1933 zur Aufgabe des Geschäfts gezwungen. Die bis dahin recht wohlhabende Familie hatte ein  Opel-Mobil. Es wurde konfisziert und zu einem Spottpreis zwangsweise verkauft.

Laut einer Zeugenaussage in den Entschädigungsakten wurde Isaak Morgenstern beim Eintreiben von Außenständen derart brutal verprügelt, dass er schwer verletzt auf der Straße liegen blieb. Durchreisende Niederländer brachten ihn nach Hause.

Nach der Geschäftsschließung erfolgte am 1. Juli 1934 der Umzug der Eheleute - zusammen mit der jüngeren Tochter Erna Sophie – in das familieneigene Haus nach Langen, Vierhäusergasse 1. Hier betrieb die Schwägerin Tatjana (Toni) Friedmann ebenfalls ein Geschäft.

 

 

 

Die Tochter Hilda Berta Morgenstern heiratete 1938 den Arzt Karl Friedrich Rothschild. Dieser war seit 1918 Facharzt für innere Medizin und hatte seine Praxis ab 1928 in der Eschersheimer Landstraße 67 in Frankfurt.  Bereits 1933 wurde ihm die kassenärztliche Zulassung als Facharzt entzogen. Er führte nun seine Praxis ausschließlich für jüdische Patienten. Am 27.9.1938 meldete sich Hilda Berta um nach Frankfurt, Kronberger Str. 10.

Ihr Ehemann schied kurz  darauf, am 12. November 1938, nach  dem November-Pogrom aus Verzweiflung über die drohende Verschleppung in ein Konzentrationslager durch Freitod aus dem Leben.

Im Oktober 1939 flüchtete Hilda Berta über Italien in das US-amerikanische Exil. Sie wohnte in Massachusetts, heiratete ein zweites Mal und hatte aus dieser Ehe zwei Kinder.

Hilde Berta Morgenstern

 
 

 

 

 

     

Die Tochter Erna Sophie Morgenstern wurde Lehrerin für Mathematik, Physik und Chemie. Sie unterrichtete am Philanthropin in Frankfurt und zweimal wöchentlich auch an einer jüdischen Schule in Darmstadt. Verfolgungsbedingt bekam sie keine Zulassung zum Assessorenexamen. Sie blieb unverheiratet.

Am 6.9.1938 meldete sie sich nach Frankfurt, Wolfgangstr. 14, ab. Ab  September 1941 wohnte sie in der Jahnstraße 5.

Ihr Vermögen belief sich laut Devisenakten am 13. Oktober 1940 noch auf 550 Reichsmark. Es unterstand einer „Sicherungsanordnung“ der Devisenstelle, die den monatlichen „Freibetrag“ am 27. September 1941 auf 320 Reichsmark und am 23. April 1942 auf 150 Reichsmark festsetzte.

   

Beim November-Pogrom 1938 kam es zur Plünderung und der Demolierung des Wohnungsinventars der Familie Morgenstern. Noch bevor die Synagoge in Brand gesetzt wurde, war Isaak Morgenstern von der Langener Polizei verhaftet worden. Er erlebte die Verwüstung seiner Wohnung nicht mit, da er im Rathaus in Arrest gehalten wurde.

Die Familie Morgenstern war schon vorher Ziel gewalttätiger Ausschreitungen geworden:

„Wenige Tage vor der ´Reichskristallnacht` hatte der SA-Mann Peter Sehring den in Langen ansässigen jüdischen Schuh- und Textilhändler Isaak Morgenstern vor aller Öffentlichkeit geohrfeigt und mit einem elektrisierenden Stab, wie man ihn zum Viehtreiben benutzt, misshandelt. Er hatte mit Steinen nach der Wohnung der Familie Morgenstern geworfen und war nun, am 10. November 1938, als Rädelsführer an der Zerstörung ihrer Wohnungs-einrichtung beteiligt.“

(Heidi Fogel, Nationalsozialismus in der Dreieich, S. 304)

 Am 1.12.1938 verließen die Morgensterns Langen, wo sie über fünf Jahre Demütigung erfahren hatten. Sie zogen nach Frankfurt in die Eschersheimer Landstraße 67 zu ihrer Tochter Hilda Berta.

Ihre Liegenschaft musste an die Firma „Heinrich Dröll V“ verkauft werden. Isaak Morgenstern war außerdem Eigentümer mehrerer Liegenschaften in Sprendlingen.

Letzte Frankfurter Adresse der Eheleute Morgenstern und ihrer  Tochter Erna war die  Jahnstraße 5 bei Jakobine Wohlfahrt.

Isaak Morgenstern wurde am 18. August 1942 im Alter von 68 Jahren bei der siebten großen Deportation aus Frankfurt zusammen mit seiner 60-jährigen Ehefrau Cilli und seiner Tochter Erna in das Durchgangslager Theresienstadt verschleppt, wo er eineinhalb Jahre später starb. Laut einer Zeugenaussage in den Entschädigungsakten verhungerte er dort.

Cilli Morgenstern und ihre Tochter Erna, die (laut Entschädigungsakten) kurz nach der Ankunft in Theresienstadt erkrankt waren, kamen am 15. Mai 1944 im Vernichtungs- und Konzentrationslager in Auschwitz ums Leben. Laut einer Zeugenaussage wurde die Tochter Erna noch vor dem Tod von Isaak Morgenstern dorthin deportiert. 

Toni Friedmann wurde am 16.März 1885 in Wilna geboren. Sie war die Schwester von Cilli Friedmann, verheiratete Morgenstern.

Sie wohnte ebenfalls in Langen in der Vierhäusergasse 1. (Telefon 133) und war Inhaberin eines gut gehenden Schuhgeschäftes. Sie hatte ein Dienstmädchen, welchem sie monatlich 45,- RM zahlte.

Sie war im Alice Frauenverein und im Ausschuss der Volkshilfe tätig. Eine der ersten Amtshandlungen des kommissarischen Nazi-Bürgermeisters Heinrich Göckel im April 1933 war es, Toni Friedmann aus dem Ausschuss der Volkshilfe zu entlassen.

Nach der Aufgabe ihres Geschäfts im Jahre 1935 hatte sie keinerlei Einkommen. Sie meldete sich am  23. Dezember 1936  nach Frankfurt/M, Jahnstraße 5 ab. Gegen freie Kost führte sie hier den Haushalt von Frau Jakobina Wohlfahrt.

Mit  Hilfe und finanzieller Unterstützung ihres in Brasilien lebenden Bruders Erwin gelang ihr am 12. Oktober 1939 die Auswanderung nach Brasilien.

 

 

Aus Brandversicherungsakten:

Besitzverhältnisse im Haus Vierhäusergasse 1
Wohnhaus, 2 Stockwerke, Wohnung oben,Waschküche mit Stall
Versicherungswert 10.000,- Mark

  • 1877 Herth, Johann Wilhelm
  • 1920 Morgenstern, Isaak, (Dieburg)
  • 1939 Dröll, Heinrich V. oHG