Chronik

Wilhelm Ludwig Burk

 An der Koberstadt 8

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Wilhelm Ludwig Burk wurde am 6.10.1884 in Langen geboren. Seine Eltern waren der aus Gladenbach stammende Schuhmacher Friedrich Wilhelm Burk und Margarethe geborene Helfmann.Wilhelm Ludwig war das 4. Kind von 11 Geschwistern. Die Familie lebte im Schulgäßchen 5 in Langen.

Am 11. Mai 1912 heiratete er in Langen Luise Sallwey. Sie brachte eine Tochter mit in die Familie. Die Familie wohnte von 1912 bis 1930 in der Turmgasse 25. Am 1. November 1930 zog die Familie Burk nach "Außerhalb 41", dem späteren "An der Koberstadt 8".

Die beiden hatten drei gemeinsame Kinder:

Sohn Heinrich wurde am 15. April 1913 geboren und Tochter Anna Maria kam am 9. Mai 1923 zur Welt. Am 9. März 1925 kam der jüngste Sohn Wilhelm Ludwig zur Welt. Heinrich lernte später Schuhmacher bei Anton Schiff (Jüdisches Opfer der Nazis, Rheinstraße 38)

Zur Zeit der Machtübernahme der Nazis arbeitete Wilhelm Burk im Langener Steinbruch auf dem Steinberg.

Den Nazis war Wilhelm Burk schon früh unangenehm aufgefallen. Im Dezember 1934 hörte er z.B. mit anderen Personen die vom Moskauer Sender übertragene Kundgebung für den erschossenen Kommunisten Kierow ab. Als der Ansager aufforderte, die Zuhörer sollten sich zum ehrenden Gedenken an den Toten erheben, leistete Wilhelm Burk dem Folge, nahm seine Kopfbedeckung ab und forderte die anderen Anwesenden auf, dasselbe zu tun. Dies genügte, um gegen ihn ein Strafverfahren einzuleiten. Wilhelm Burk hatte damals noch einmal Glück. Aus nicht bekannten Gründen setzte sich der damalige Ortsgruppenleiter der NSDAP, Barth, für ihn ein und bewirkte die Einstellung des Verfahrens.

Anfang 1941 wurde Wilhelm Burk zusammen mit den Widerstandskämpfern: Eddi Wolfenstädter, Karl Rühl, Johannes Lang, Heinrich Leyer, Erich Persson, Karl Freitag und Peter Werner verhaftet und des „Hochverrats“ angeklagt.

Ihre Namen und die Tatvorwürfe hatte die Gestapo einem Häftling, der selbst im kommunistischen Widerstand in Langen aktiv war und 1934 wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ vom Sondergericht Kassel zu einer Haftstrafe von 5 Jahren verurteilt worden war, mit der Drohung abgepresst, ihn in ein KZ einzuweisen. Der Zeitpunkt der Tat, die man den nun Verhafteten zur Last legte, lag fast sieben Jahre zurück (also 1934). Damals hatte die illegale KPD in dem am Langener Stadtrand gelegenen Haus Wilhelm Burks (An der Koberstadt) offenbar eine Anlaufstelle für ihr Propagandamaterial eingerichtet.

Am 1. Februar 1941 wurde den Beschuldigten vor dem Oberlandesgericht in Kassel der Prozess gemacht. Die Urteile gingen von 6 Monaten bis 2 Jahre Haft. Erich Persson wurde nach der Verbüßung seiner Gefängnisstrafe in das KZ Buchenwald gebracht; er überlebte. Peter Werner kam in das KZ Oranienburg, Karl Rühl in die sog. „Schutzhaft“ nach Dachau und Natzweiler. Wilhelm Ludwig Burk erhielt ein Jahr Gefängnis.

Nach seiner Verhaftung 1941 in Offenbach durchlief Wilhelm Burk der Reihe nach das Gefängnis in Frankfurt-Preungesheim, die Gefängnisse in Darmstadt und Diez/Lahn. Kurz vor seiner Entlassung wurde er zurück ins heimatnahe Gefängnis Darmstadt gebracht. Während der Haftzeit arbeitete er dort als Kohlenträger.