Chronik

Mathilde Bär

Obergasse 4

Mathilde Bär (geb. Kahn)

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In der Obergasse 4 wohnten Heinrich und Mathilde Bär, geborene Kahn.

Heinrich Bär wurde am 10. März 1883 in Langen geboren. Am 20. März 1912 heirateten Heinrich Bär und Mathilde Kahn.

Mathilde Kahn wurde am 17. 2. 1885 in Darmstadt geboren. Ihre Eltern waren der Metzgermeister Hermann Kahn II. und dessen Ehefrau Franziska, geborene Wolf. Die Familie Wolf war seit ca. 1823 in Langen ansässig.
Hermann Kahn hatte seine Metzgerei am Ludwigsplatz, heute Wilhelm-Leuschner-Platz.

 

Heinrich Bär war ebenfalls Metzgermeister. Er  wohnte in der Obergasse 4 und betrieb seit dem 28. Januar 1913 sein Geschäft in der Fahrgasse 12. 1923 bekommt er den Bau eines Schlachthauses in der Obergasse 4 genehmigt. Nachdem dieses fertiggestellt war, wurde am 27. November 1925 die Metzgerei ebenfalls in die Obergasse 4 verlegt. Wie viele andere jüdische Geschäftsleute hatte er schon früh einen Telefonanschluß.

Heinrich betrieb sein Geschäft nicht nur für jüdische Kundschaft.  Wie seine zahlreichen Anzeigen im Langener Wochenblatt  belegen, richtete sich sein Angebot an alle Langener.

Im Kriegsjahr 1914 zeigte sich Kahn und andere Mitglieder der jüdischen Gemeinde in patriotischer Spenderlaune:

Im August 1914 spendete er für die Kriegsfürsorge-Sammlung der israel. Religions-gemeinschaft „ohne Ansehen der Confession“ zusammen mit M. Lazarus, Aron Strauß, Max Wolf, Metzgerei H. Kahn, Metzgerei R. Bendheim Wwe., Frau Merkel Wwe., Hermann Kahn I. (L. Bauer), Toni Friedmann (J. Morgenstern), Frau Max Strauß, Frau Tekla Roßmann (Frankfurt), Siegmund Neu, Israel Eppstein, Lehrer Fuchs, Jonas Schloß, Lehrerin Oppenheimer, Anton Schiff, Rechtsanwalt Rothschild, Pietät-Verein der israel. Gemeinde Langen (200 M.). Zusammen spendeten sie: 424 M.  

Die Ehe von Heinrich und Mathilde blieb kinderlos. Ihr Neffe Manfred (Sohn von Mathildes Bruder Bernhard, der in Frankfurt wohnte) weilte wohl öfters bei seiner Tante.Obergasse 4 ca. 1946

Heinrich Bär starb im Alter von 51 Jahren am 14. Juli 1934. Seine Frau Mathilde führte daraufhin die Metzgerei weiter. Am 01. 10.1935 wurde das Gewerbe jedoch abgemeldet.

Am 30. 5. 1938 flüchtete Mathilde Bär nach Frankfurt, Rüsterstr. 5. Ihr Haus verkaufte sie an  Karl Clement (Milch-Clement). Die genaueren Umstände der Transaktion sind nicht bekannt.

Im Mai / Juni 1942 wurde Mathilde Bär in die Region Lublin deportiert, vermutlich in das Vernichtungslager Sobibor. Diesen Transport hat niemand überlebt. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt.

 Obergasse 4 um 1946                 

Aus den Brandversicherungsakten
Besitzverhältnisse des Hauses Obergasse 4 (614 1/10)
Wohnhaus, 2 Stockwerke, gebaut 1880

  • 1904 Wilhelm Kiefer (Witwe), Dreieichenhain
  • 1922 Heinrich Metzger, Egelsbach
  • 1922 Heinrich Bär I.
  • 1941 Karl Clement  (Milch-Clement)