Ghetto Lodz (Litzmannstadt)

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Bildquelle: http://www.ghwk.de/sonderausstellung/lodz/lodz14.jpg

Łódź war mit knapp 700.000 Einwohnern die zweitgrößte polnische Stadt und mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von gut einem Drittel (233.000) das nach Warschau zweitgrößte jüdische Zentrum Europas. Die Stadt wurde im November 1939 Teil des "Reichsgaus Wartheland" und erhielt am 11. April 1940 den Namen "Litzmannstadt".

Im Februar 1940 wurden die Altstadt, das Elendsviertel Baluty und die Vorstadt Marysin zum Ghettogelände erklärt, das am 30. April 1940 endgültig abgeriegelt wurde. Auf ca. vier Quadratkilometern lebten nun knapp 158.000 Juden in etwa 48.000 Räumen, meist ohne Wasserversorgung. Auch gab es im Ghettobezirk keine Kanalisation und somit keine Möglichkeit der unterirdischen Kontaktaufnahme zur Außenwelt. Das Ghetto Łódź galt somit als das am besten isolierte Ghetto.

Die SS setzte einen „Judenrat" ein, der dafür haftbar gemacht wurde, dass sämtliche erlassenen Anordnungen befolgt wurden. Der Vorsitzende des Rates, Mordechai Chaim Rumkowski, versuchte mit einer umstrittenen Politik der bedingten Kooperation die Ghettojuden als Arbeitskräfte für die deutschen Behörden unentbehrlich werden zu lassen. Er bemühte sich um die Gründung von Textilbetrieben im Ghetto, welche die deutsche Nachfrage befriedigen sollten. Alle Bewohner zwischen zehn und 65 Jahren wurde einer faktischen Arbeitspflicht unterworfen. 1940 waren in ca. 25 Betrieben fast 7.000 Menschen beschäftigt, 1943 arbeiteten bereits 70.000 verteilt auf ca. 100 Ressorts, das waren 85% der Ghettobevölkerung. Produziert wurde für die Wehrmacht, für private Firmen und Textilhändler des Deutschen Reichs (u.a. Neckermann, Karstadt, Leineweber). Im Juni 1941 erwirtschaftete das Getto 1,3 Millionen Reichsmark. Ab Dezember 1940 wurden in über 20 Transporten Juden auch außerhalb des Ghettos zu Zwangsarbeiten an fast alle deutschen Firmen, welche die Autobahnstrecke Frankfurt/Oder-Posen bauten, „ausgeliehen".

Im Herbst 1941 wurden knapp 20.000 Juden aus Österreich, Böhmen, Luxemburg und Deutschland nach Łódź verschleppt, im November 1941 folgten 5.000 Sinti und Roma aus dem österreichischen Burgenland, bis zum Sommer 1942 weitere 18.000 Juden aus den aufgelösten Provinzghettos im Warthegau. Die Überfüllung, ungenügende Verpflegung, mangelnde sanitäre Ausstattung und medizinische Versorgung, Kälte sowie erschöpfende Zwangsarbeit führten dazu, dass im Ghetto während der Zeit seines Bestehens
ca. 23 Prozent der Eingesperrten starben.

Ende 1941 wurde ca. 60 Kilometer westlich von Łódź in Chelmno/Kulmhof das erste Vernichtungslager errichtet. Von Januar bis September 1942 wurden dort über 70.000 Menschen aus dem Ghetto ermordet, vor allem Kranke, Alte und Kinder unter zehn Jahren. Die Deportationslisten mussten vom Judenrat erstellt werden, dem von der SS wöchentliche Quoten vorgeschrieben wurden. Nachdem alle Arbeitsunfähigen deportiert waren, wurden die Transporte eingestellt, das Ghetto glich einem riesigen Zwangsarbeitslager.

Im Mai 1944 ordnete Himmler die endgültige Räumung des Ghettos an. Über 7.000 Menschen wurden in Chelmno getötet, über 65.000 wurden im August 1944 nach Auschwitz deportiert. Zurück blieb nur ein Aufräumkommando von 600 Häftlingen, zu denen später noch ca. 270 Versteckte stießen. Sie wurden am 19. Januar 1945 von der sowjetischen Armee befreit.

Das Getto in Łódź war das am längsten existierende Getto in Polen. Von den insgesamt ca. 205.000 in das Ghetto verschleppten Menschen überlebten geschätzte 5.000 bis 6.000. 

 

Lodz 2

Bildquelle: http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/xy001258/index.html

Quellen: