Ghetto Izbica

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Der Ort Izbica liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von Lublin, wo sich vor Kriegsbeginn das Zentrum des orthodoxen Judentums in Europa befand. Rund 85 Prozent der ca. 6.000 Einwohner Izbicas waren jüdisch. Die Lubliner Gegend wurde nach dem deutschen Überfall zu einem Distrikt des sogenannten Generalgouvernements. Wegen des hohen jüdischen Bevölkerungsanteils lag es für die Besatzer nahe, aus der ganzen Stadt Izbica ein Ghetto zu machen. Die landschaftlichen Gegebenheiten ­– die Stadt war von steilen Hügeln und einem Fluss eingerahmt, wodurch nur wenige Wachposten notwendig waren – und die Lage an der Bahn­strecke zu den entstehenden Vernichtungslagern unterstützten diesen Plan. Das Gestapogefängnis im Ghetto errichtete die SS aus Grabsteinen des örtlichen jüdischen Friedhofes.

Ghetto
Izbica

Bildquelle: http://www.dhm.de/sammlungen/gifs/sammlungen/bildarchiv/III/kirnberger/mk6117.jpg

1941/42 wurde im Generalgouvernement mit der "Aktion Reinhardt" der systematische Judenmord begonnen. Izbica wurde zu einem von mehreren „Transit-Ghettos“, die als Durchgangsstationen in die Vernichtungslager dienten. Aus Izbica konnten Züge direkt nach Bełżec (55 km) oder über Chełm nach Sobibór (87 km) fahren. Die ersten Opfer des Massenmordes waren die polnischen Juden. Sie mussten in den Ghettos Platz für die Deportierten aus West- und Mitteleuropa machen. Am 24. März 1942 veranstaltete die Gestapo die erste große "Judenaktion" in Izbica: Über 2.200 Menschen wurden in das gerade in Betrieb genommene Vernichtungslager Bełżec gebracht. Wahrscheinlich schon am Tag darauf erreichten die ersten Deportationszüge aus Theresienstadt, Deutschland (Koblenz und Nürnberg), Österreich und der Tschechoslowakei das Ghetto. Bis zum Herbst 1942 erhielten die Angehörigen der deutschen Deportierten Lebenszeichen in Form von vorgedruckten Postkarten, danach wurde der Briefversand vom Ghetto nach Gebieten außerhalb des Distrikts Lublin verboten.

Die Anzahl der Ghettobewohner stieg zeitweise auf bis zu 12.000 Personen, die Belegung war abhängig von den Kapazitäten der Vergasungsanlagen von Bełżec. Die meisten Bewohner waren Alte, Frauen und Kinder. Viele starben an Unterernährung oder Seuchen, sie wurden auf dem Friedhof oberhalb des Ortes begraben. Junge Männer wurden schon vor der Ankunft in Izbica von den Transporten separiert und nach Majdanek zur Zwangsarbeit geschickt.
Im Ghetto gab es aufgrund der sprachlichen und kulturellen Unterschiede zwischen polnischen und Westjuden tiefe Konflikte, welche die SS geschickt ausnutzte. Wichtige Institutionen der Ghettoverwaltung (Judenräte, Ghettopolizei, ...) wurden doppelt eingerichtet, sodass der polnische Judenrat bei der Zusammenstellung der Transporte in die Vernichtungslager bevorzugt Westjuden und der westliche Judenrat hauptsächlich polnische Juden aussuchte.

Neben der Transporten in die Lager führte die SS auch Massenhinrichtungen im Ghetto durch. Am 15. Oktober 1942 wurden 10.000 Juden auf dem Bahnhof von Izbica zusammengetrieben, 5.000 von ihnen wurden abtransportiert. Bei der Selektion kam es zu einem Massaker mir ca. 500 Erschossenen. Bei der letzten Exekution in Izbica, Anfang November 1942, erschoss die SS etwa 2.000 Juden auf dem Jüdischen Friedhof, nachdem diese mehrere Stunden im Feuerwehrhaus eingesperrt gewesen waren, wo bereits viele an Luft- oder Wassermangel starben. Die letzten Juden wurden wahrscheinlich am 23. April 1943 auf Lastwagen von Izbica nach Sobibór deportiert. Für wie viele Menschen Izbica Durchgangsstation in die Todeslager war, ist nicht bekannt.

Quellen: