Landesheilanstalt Hadamar

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In der Landesheilanstalt Hadamar wurden im Jahr 1941 über 10.000 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen Opfer des Euthanasie-Programms. Sie wurden in einer als Duschraum getarnten Gaskammer ermordet und anschließend im Krematorium verbrannt. Den Angehörigen wurden Sterbeurkunden mit erfundenen Todesursachen (oftmals „Lungenentzündung“) und auf Wunsch auch die angebliche Asche der Verstorbenen zugesandt.

Nach dem offiziellen Stop des Euthanasieprogramms wurde die Gaskammer abgebaut und alle Spuren beseitigt. Das Morden war damit jedoch nicht zu Ende. Ab August 1942 bis 1945 verstarben 4422 von 4817 Patienten. Die meisten von ihnen wurden von Pflegern und Schwestern auf Befehl des Anstaltsarztes mit überdosierten Medikamenten getötet und in Massengräbern auf dem Anstaltsfriedhof begraben.

Stichwort "Euthanasie"

Für geistig und körperlich Behinderte gab es nach Ansicht der Nationalsozialisten keinen Platz in der „Volksgemeinschaft“. Sie boten keinen Nutzen, sondern waren lediglich eine ökonomische Belastung. Sie galten daher als „Minderwertige“, „Ballastexistenzen“ und „lebensunwertes Leben“. Bereits 1934 wurde ein „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ erlassen, das die Grundlage für die Zwangssterilisation von etwa 400.000 körperlich und geistig Behinderten, psychisch Kranken, „Asozialen“ und Kriminellen darstellte.

Im Oktober 1939 wurde in ausgewählten Pflegeanstalten mit der systematischen Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ begonnen. Nach Ende des Krieges wurde für diese Aktion aufgrund des Sitzes der befehlenden Bürozentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4 die Bezeichnung „Aktion T4“ verwendet.

Zu den Pflegeanstalten gehörten: Hadamar (Hessen), Bernburg (Sachsen-Anhalt), Brandenburg, Grafeneck (Württemberg), Hartheim (Oberösterreich) und Pirna Sonnenstein (Sachsen). Bis August 1941 starben dort insgesamt über 70.000 Menschen. Neben Behinderten und Kranken wurden auch als „asozial“ bezeichnete Alkoholiker, Obdachlose und Prostituierte sowie deren Kinder ermordet.

Im August 1941 wurde die Aktion nach Protesten der Kirchen sowie einiger Heimleiter und Heimangestellter offiziell gestoppt, weil sie nicht länger geheimgehalten werden konnte und Bevölkerungsunruhen befürchtet wurden.

Nach 1941 wurde das Programm im Verborgenen weitergeführt. Zu den Opfern gehörten auch durch Kriegsereignisse traumatisierte Soldaten und Zivilisten, tuberkulosekranke Zwangsarbeiterinnen und „halbjüdische“ Fürsorgezöglinge.

Insgesamt fielen während des Krieges schätzungsweise 275.000 Menschen aus Deutschland, Frankreich, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion den Euthanasie-Verbrechen zum Opfer.

Quellen:

  • Verein zur Förderung der Gedenkstätte Hadamar (http://www.region-online.de/verband/gedenkstaette-hadamar/)
  • Ausstellung zum 60. Jahrestag der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942: Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden 1933-1945 (http://www.ghwk.de/deut/Wanderausstellung/wanderausstellung42.htm)