Chronik

Familie Friedrich Wolf

 Hügelstraße 12

Friedrich Wolf
Erna Wolf (geb. Hertzmann)
Lore Wolf
Edith Wolf

 

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Friedrich Wolf wurde am 19. November 1888 in Langen als dritter Sohn des Seifensieders Markus Wolf und dessen zweiter Ehefrau Sophie, (geb. Schweitzer), geboren.

Die Familie Wolf ist seit ca. 1847 in Langen ansässig. Die Produkte der Koscher-Seifenfabrik in Langen  war in jüdischen Kreisen in ganz Deutschland bekannt.

   

Im 19. Februar 1920 heiratete Friedrich in Langen Erna Hertzmann.

Erna Hertzmann wurde am 1. März 1897 in Krefeld geboren.

Die Familie wohnte in der  Hügelstraße 12 und hatte zwei Kinder - Lore und Edith.

   

Lore Wolf wurde am 17. 6. 1922 in Langen geboren. Sie war zweimal verheiratet. In erster Ehe mit einem Herrn Stern, in  zweiter Ehe mit einem Herrn Ballin.

   

Edith Wolf, geboren am 21. 1.1927 in Langen war später mit einem Herrn Holstein verheiratete.

 

   

Friedrich Wolf war Seifensieder wie sein Vater und arbeitete im väterlichen Betrieb als Seifensieder und Verkäufer. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Firma scheinen nicht immer gut gewesen zu sein; mehrere Konkursanträge sind belegt.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Friedrich als Soldat für sein Vaterland. Er erhielt im August 1915 als Gefreiter die Hess. Tapferkeitsmedaille, im Januar 1916 empfing er als Unteroffizier das Eiserne Kreuz und am 4. Januar 1918 wurde ihm wegen dreijähriger hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde das Hess. Kriegszeichen in Eisen verliehen unter gleichzeitiger Beförderung zum Vizefeldwebel.

Nach dem Krieg wurden Friedrich und sein Bruder Semy Mitgesellschafter des elterlichen Betriebs.
Langener Wochenblatt vom 6.12.1918: HR A Nr. 39:

In unser Handelsregister wurde heute in Abteilung Adam undter Nr. 39 folgender Eintrag vollzogen: In die Firma Max Wolf & Cie. Langen, die bisher von Kaufmann Max Wolf in Langen allein geführt wurde sind die Kaufleute Semy Wolf und Fritz Wolf beide zu Langen als Gesellschafter eingetreten. Die seitherige Firma wird als offene Handels-gesellschaft mit dem Sitz zu Langen, beginnend seit 1. Oktober 1918 weitergeführt. Die der Max Wolf Ehefrau Sophie geb. Schweitzer erteilte Prokura ist erneut erteilt. Jeder der 3 Gesellschafter ist zur Vertretung der Firma berechtigt.

Max Wolf stirbt am 17.1. 1927. Am 4. Januar 1929 wird die Firma Max Wolf & Cie. oHG aufgelöst. Es scheint noch einen letzten Versuch gegeben zu haben die Seifensiederei zu erhalten. Am 30.12.1930 wurde erneut Konkurs angemeldet.

Von 1933 bis 1936 war Friedrich als Verkaufsreisender der Fa. Kamberg, Aktiengesellschaft in Offenbach am Main tätig, die Getreide und Getreideartikel an Bäckereien verkaufte. Wahrscheinlich war der Eigentümer der Fa. Kamberg ebenfalls jüdisch. „Durch den Boykott nach dem 1. April 1933 sind sowohl die Verdienste der Fa. als auch des Herrn Wolf als Verkaufsreisender erheblich zurück gegangen, sodass sie in 1936 nur noch einen kleinen Bruchteil der Verdienste vor 1933 betragen haben können.“ (Eugen Kamberg, Bescheinigung des früheren Arbeitgebers vom 14. Juni 1957, Entschädigungsakte Familie Wolf)

Am 29.11.1933 meldet sich die ganze Familie nach Frankfurt/M, Böhmerstr. 42 ab.
Im Frühjahr 1938, kurz bevor Friedrich Deutschland verließ, gaben sie ihre Wohnung auf und übergaben die Möbel einem Auktionator zur Versteigerung.

Von diesem Geld konnten die Ausgaben für Fahrkarten, Gepäck und die Visabeschaffung in Stuttgart, die auf ca. 2500 RM für 4 Personen kam, bestritten werden.

Im Mai 1938 verließ Friedrich Frankfurt und wanderte nach New York aus. Seine Frau Erna zog mit den beiden Kindern in ein möbliertes Zimmer,die Erna und die Kinder folgten am 6. Januar 1939 nach Amerika.

Gleich 1938 fand Friedrich Arbeit in einer Färberei, wo er die Herstellung der Seife, die im Betrieb benötigt wurde, übernahm. Dort arbeitete er bis 1946. Schließlich mußte er die Arbeit in der Färberei wegen geschwächter Gesundheit im Alter von 58 Jahren aufgeben.

Er richtete sich seine eigene kleine Fabrikation von Seife ein. Die ersten beiden Jahre erzielte er so gut wie kein Einkommen. Seine Frau hielt die Familie als Arbeiterin an einer Strickmaschine über Wasser. Nur im Jahr 1948 brachte ihm seine Firma ein kleines Einkommen, denn wegen seiner angeschlagenen Gesundheit war Friedrich nicht voll arbeitsfähig.

Er starb am 23.1.1950 in New York, Forrest Hill an einem Herzschlag. Erna überlebt ihren Mann 40 Jahre. Sie starb am 21. Januar 1990 in New York.